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Flugverspätung und Ausfälle wegen schlechten Wetters

Wenn starke Stürme, dichter Nebel oder eine Aschewolke einen (pünktlichen) Flug unmöglich machen, steht Fluggästen in der Regel keine Entschädigung zu. Schlechtes Wetter zählt zu den außergewöhnlichen Umständen gemäß Artikel 5 Absatz III Verordnung (EG) Nr.261/2004. Diese kann die Fluggesellschaft nicht beeinflussen oder verhindern, auch wenn “alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen wurden, um die Verspätungen oder Annullierungen zu verhindern” - so sagt es die EU-Verordnung.

Flugverspätung und Ausfälle wegen schlechten Wetters

Wichtige Unwetter-Urteile

Da die EU-Verordnung Rechtsbegriffe wie die “außergewöhnlichen Umstände“ aber nicht klar definiert, bleibt viel Raum für Auslegungen. In den vergangenen Jahren haben diverse Klagen den Begriff “außergewöhnliche Umstände“ geschärft. Auch im Bereich Unwetter gab es wegweisende Urteile, die wir hier für Sie zusammengetragen haben:

Keine Entschädigung

Fluggästen steht bei schlechten Wetterbedingungen in der Regel keine Entschädigung zu, wenn diese Schlechtwetter-Phänomene auftauchen:

  • Aschewolke: Bei einer solchen Naturkatastrophe spricht man von höherer Gewalt. Der Luftverkehr ist beeinträchtigt, Flugverbote müssen ausgesprochen werden. Die Aschewolke behindert die Sicht der Piloten und Aschepartikel können die Sensoren der Messgeräte für Höhe und Geschwindigkeit beeinträchtigen.
  • Unwetter: Bei außergewöhnlich schlechtem Wetter müssen Flüge oft am Boden bleiben oder später abheben. Extreme Wetterbedingungen wie beispielsweise Schnee, Sturm, Eisregen und Nebel entlasten die Airlines von der Zahlung.
  • Gewitterfront: Das Landgericht Darmstadt urteilte, dass es auch keine Entschädigung gibt, wenn der Vorflug infolge einer Gewitterfront notlanden musste und sich der folgende Flug deshalb verspätet oder ausfällt. (LG Darmstadt, Urteil vom 6.11.2013 – 7 S 208/12)

Diese Liste zeigt nur einen Auszug an Schlechtwetter-Urteilen

Der Sonderfall: Dann gibt es Entschädigungen

Fast immer führen extreme Wetterbedingungen zur Zahlungsentlastung der Airline. Allerdings gibt es einige Sonderfälle, in denen Passagiere eine Entschädigung erhalten haben. Folgende Urteile wurden zugunsten der Fluggäste gefällt.

  • Frostschutz: Die Airline muss bei heftigem Schneefall oder Eisregen genug Frostschutz und Enteisungsmittel parat haben. Falls sich ein Flug erheblich verspätet, weil die Enteisung fehlt oder sehr lange dauert, sprechen wir nicht von einem außergewöhnlichen Umstand. Passagiere erhalten eine Entschädigung. Das Amtsgericht Frankfurt bestätigte die bestehende Rechtsprechung (Urteil v. 22.05.2015, Az. 29 C 286/15 [85]).
  • Gegenwind: Auch bei extremen Gegenwind kann den Fluggästen eine Entschädigung zustehen, so dass Amtsgericht Hannover. (AG Hannover, Urteil vom 06.12.2012 - 522 C 7701/12)
  • Blitzschlag: Kam es beim Vorflug zu einem Blitzschlag, woraufhin sich der nächste Flug verzögert oder ausfällt, sind die Passagiere berechtigt, eine Entschädigung zu erhalten. (AG Erding: Urteil vom 23.07.2012 - 3 C 719/12)
Diese Liste zeigt nur einen Auszug an Schlechtwetter-Urteilen

Entschädigung laut EU-Verordnung

Grundsätzlich erhalten Fluggäste bei starken Verspätungen oder Annullierungen aufgrund schlechten Wetters keine Ausgleichszahlung, da diese in der EU-Fluggastrechte-Verordnung als außergewöhnliche Umstände aufgeführt sind. In den oben genannten Sonderfällen können Passagiere jedoch eine Entschädigungszahlung erhalten. Entscheidend ist dabei, dass sie ihren Flug auf einem EU-Flughafen antreten oder auf einem EU-Flughafen landen (Sitz der Airline: in der EU). Außerdem müssen sie ein gültiges Ticket haben. Auch kostenlose oder reduzierte Tickets aus einem Kundenbindungs- oder Werbeprogramm gehören dazu.

Wie hoch ist die Entschädigung für Flugverspätungen über 3 Stunden, -annullierungen oder Nichtbeförderungen? Die EU-Fluggastrechteverordnung legt genau gestaffelte Entschädigungssummen pro Person fest. Sie richten sich nach der Gesamtflugstrecke: Bei einer zurückgelegten Flugdistanz von weniger als 1.500 Kilometern steht dem Fluggast 250 Euro zu. Bei einer Flugstrecke zwischen 1.500 und 3.500 Kilometern sind es 400 Euro, bei über 3.500 Kilometern 600 Euro.

Entschädigungsansprüche per Strecke bei Flugverspätungen

Kann ich eine Entschädigung bekommen

Dies können wir ganz einfach und schnell überprüfen. Dazu geben Sie einfach Ihre Flugdaten ein. Wir betrachten die Anwendbarkeit der Fluggastrechteverordnung, schließen außergewöhnliche Umstände aus und geben Ihnen sofort eine Ersteinschätzung. Sollten Sie anspruchsberechtigt sein, können Sie uns anschließend mit nur einem Klick beauftragen. Sparen Sie sich lange und nervenaufreibende Streitereien mit der Airline. Profitieren Sie von unserer Erfahrung. Wir haben bereits viele Entschädigungsforderungen für Flugverspätungen, Nichtbeförderungen und Annullierungen erfolgreich durchgesetzt und über 100 Millionen Euro an unsere Kunden ausgezahlt.

Anspruch in 2 Minuten prüfen

Ob Unwetter oder Sonnenschein: Versorgungsleistungen gibt es immer

Die Airline muss Ihnen immer Versorgungsleistungen zukommen lassen, unabhängig davon, ob sich ihr Flug aufgrund eines außergewöhnlichen Umstands oder aus anderen Gründen verspätet oder annulliert wurde. Sitzen Sie am Flughafen fest, haben Sie das Recht auf kostenlose Betreuung zum Beispiel in Form von Essen und Getränken.

Flugdistanz Verspätung Ihre Leistungen
Kurzstrecke bis 1.500 km Über 2 Stunden Snacks, Getränke, 2 Telefonate/Faxe/E-Mails
Mittelstrecke 1.500 km - 3.500 km Über 3 Stunden Snacks, Getränke, 2 Telefonate/Faxe/E-Mails
Langstrecke über 3.500 km Über 4 Stunden Snacks, Getränke, 2 Telefonate/Faxe/E-Mails
Alle Strecken Über 5 Stunden* Reiserücktritt und Ticketpreiserstattung bzw. Alternativbeförderung
Alle Strecken Flug erst am nächsten Tag** Hotelübernachtung inklusive Hin- und Rückfahrt
*Über 5 Stunden

Manchmal lohnt es sich nicht, einen Flug anzutreten, der erst mit über 5 Stunden Verspätung abfliegt. Zum Beispiel weil Sie eine Familienfeier verpassen oder einen Geschäftstermin, oder weil sich der Kurzurlaub, den Sie für das Wochenende geplant hatten, nun auf wenige Stunden reduziert. Dank der EU-Verordnung haben Sie dann diese Möglichkeiten: Bei mehrteiligen Flügen können Sie sich zum Ausgangspunkt der Reise zurückfliegen lassen. Oder Sie treten von Ihrem Flug zurück - die Airline erstattet Ihnen dann die Ticketkosten. Zudem haben Sie die Möglichkeit, von der Fluggesellschaft eine schnellstmögliche Beförderung (Flug oder Bahn) an Ihr Reiseziel zu verlangen.

**Flug am nächsten Tag

Muss der Flug auf den nächsten Tag verschoben werden, haben viele Fluggesellschaften feste Hotels, in denen Sie die Fluggäste unterbringen. Oft organisieren die Airlines deshalb selbst die Übernachtung im Hotel sowie den Transfer zwischen der Unterkunft und dem Flughafen. Bevor Sie also selbst ein Zimmer buchen, fragen Sie gezielt bei der Airline nach, ob diese nicht schon ein Zimmer für Sie organisiert haben. Nicht, dass noch auf den Übernachtungskosten sitzen bleiben, weil nun 2 Zimmer für Sie reserviert sind. Falls die Airline Ihnen die Buchung überlässt, lassen Sie sich dies schriftlich bestätigen.

Ausrede schlechtes Wetter bei Flugverspätung und Flugausfall

Die Ausrede “Schlechtes Wetter”

Beim Thema Sicherheit sind sich viele Fluggäste einig. Wenn die Fluggesellschaften keinen sicheren Flug gewährleisten können, weil ein starkes Schneetreiben herrscht oder heftige Orkanböen wehen, bleiben die Passagiere lieber am Boden bis sich das Wetter beruhigt hat. Eine Verspätung ist dann okay, auch wenn eventuelle Anschlussflüge oder Termine verpasst werden. Sicherheit geht vor. So definiert es auch die EU-Verordnung, die Passagieren im Falle von außergewöhnlichen Umständen wie Unwetter keine Entschädigung zugesteht.

Leider missbrauchen Airlines aber vermeintlich schlechtes Wetter oft als Ausrede für Flugverspätungen und -streichungen. Ein Indiz dafür könnte sein, dass andere Flüge fliegen, aber nur Ihr Flug am Boden bleibt. Ein Sperrung liegt dann nicht vor, der Flug könnte also starten. Jedoch muss dies auch bewiesen werden. Flightright verfügt über Flugdatenbanken, durch die man genau erkennen kann, welche Flüge wann und von welchem Flughafen abgehoben sind - und welche nicht. Dies erleichtert die Durchsetzung möglicher Entschädigungsansprüche enorm.

Eine andere häufig gehörte Ausrede ist die der fehlenden Enteisung. Wird ein Flug gestrichen, weil die Temperaturen unter Null sinken und das Enteisungsmittel fehlt, wurde dies in den vergangenen Jahren häufig als außergewöhnlicher Umstand von den Airlines deklariert. Zum Glück gibt es mittlerweile entsprechende Gerichtsurteile, die eine fehlende Enteisung im Verantwortungsbereich der Airline festmachen. Die Fluggesellschaft muss ausreichend Enteisungsmittel vorrätig haben und rechtzeitig einsetzen, um einen planmäßigen Flugbetrieb zu gewährleisten. Oft führen wetterbedingte Verzögerungen auch zu einer Überschreitung der Dienstzeit der Crew, weshalb Flüge annulliert werden. Auch dies ist kein außergewöhnlicher Umstand und damit entschädigungsberechtigt.

Was tun bei Unwetter?

Informieren Sie sich gut, bevor Sie abfliegen. Manchmal kann man schlechtes Wetter schon kommen sehen - ist ein Unwetter angekündigt, dass den Flug beeinflussen könnte? Wegen Schneestürmen oder Aschewolken blieben schon häufig Maschinen am Boden - für Tage oder im Extremfall des Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010 sogar für Wochen. Häufig wird schon frühzeitig vor bevorstehenden Wetterveränderungen gewarnt.

Vor dem Flug:

Wie können Sie sich vor finanziellen Konsequenzen schützen? Entsprechende Versicherungen schützen Sie davor, bei gestrichenen Flügen auf Ihren Kosten sitzen zu bleiben. Doch welche Versicherung ist die richtige? Generell kann man sagen, dass die Reiserücktrittsversicherung nur bei unvorhersehbaren Ereignissen im privaten Umfeld der Reisenden greift, also zum Beispiel auch einer plötzlich eintretenden Erkrankung. Eine Reiseabbruchversicherung dagegen versichert durchaus auch den Reiseabbruch aufgrund Höherer Gewalt (Unwetter). Informieren Sie sich vor dem Reiseantritt ganz genau bei Ihrem Versicherer, ob auch Naturgewalten mit versichert sind.

Am Flughafen:

Checken Sie regelmäßig den Flugstatus. Es ist immer gut zu wissen, ob es schon bei vorhergehenden Flügen zu Verspätungen gekommen ist oder der Flug gestrichen wurde. Einige Fluganbieter haben eigene Apps. Auch hilfreich sind unabhängige Websiten. Verspätet sich Ihr Flug, nehmen Sie frühzeitig Kontakt zur Airline auf. Erscheinen Sie bei unklarer Sachlage pünktlich am Gate. Manchmal ergeben sich auch bei größeren Unwettern kurze Zeitfenster, in denen gestartet und gelandet werden kann.

Checkliste: Dann steht Ihnen kein Geld zu

Grundsätzlich gibt es keine Entschädigung, wenn einer dieser Punkte auf Sie und Ihren Flug zutrifft:

  • Ihre Verspätung am Ziel lag bei unter 3 Stunden
  • Sie waren zu spät am Check-in
  • Ihr Flug liegt über 3 Jahre zurück
  • Sie haben kein gültiges Ticket
  • Sie haben keine Reisedokumente
  • Sie waren nicht pünktlich am Check-in (üblich wären 45 Minuten vor Abflug)
  • Sie flogen mit einem nicht-öffentlichen, kostenlosen/reduzierten Tarif
  • Sie nutzten einen kostenlosen Kindertarif
  • Ihnen wurde die Beförderung verweigert, weil Sie stark alkoholisiert waren, eine gefährliche ansteckende Krankheit hatten oder die Sicherheit an Bord gefährdet hätten
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